Gerhard Gradinger
Gerhard Gradinger

Kritik zu "Burned Out"

Gerhard Gradinger kommt auf die Bühne, man hat das Gefühl mit einem Lächeln auf den Lippen, weil er sich offensichtlich darauf freut, dass er eineinhalb Stunden auf der Bühne spielen wird. Und diese Spielfreude ist ihm die ganze Premiere lang anzusehen. Es ist aber nicht nur die gern zitierte Spielfreude, sondern da ist eine Leidenschaft dahinter, das Publikum zu unterhalten mit guten Pointen und humorvollen Erzählungen aus dem oft schwierigen Berufs- und Beziehungsleben. Und als Publikum kommt man das ganze Programm hindurch nicht umhin, auch sich selbst wiederzuerkennen oder zu denken: „Ja, genau so ist es.“

Beim 34-jährigen Niederösterreicher aus Groß-Schweinbarth bekommt man den Eindruck, das Leben an sich hält schon so viele Pointen parat, da muss man nicht lange überlegen, wenn man ein guter Beobachter und Zuhörer ist, und das ist er absolut. Witz, Humor und Komik liegen sozusagen auf der Straße, und der aufmerksame Mitmensch Gerhard Gradinger kann sich als Kabarettist aus dem großen Fundus „Leben“ bedienen. Das klingt einfacher, als es ist, denn seine Beobachtungen und Überlegungen pointiert dem Publikum zu präsentieren, erfordert ein gutes Gespür und Talent. Auch in seinem 6. Programm beweist er wieder, wie gut er darin ist, und man wundert sich, dass er nicht noch präsenter auf Österreichs Kabarettbühnen ist.  

Am Anfang des Programms kokettiert Gradinger mit der Überlegung, eventuell mit dem Kabarettspielen aufzuhören. Doch er hat einen Manager, der für ihn 80 Auftritte in diesem Jahr organisieren soll, wenn das gelingt, macht er weiter. Ob es der Manager schafft, erfährt er noch am selben Abend, denn der Manager wird ihn auf der Bühne anrufen, und wir, das Publikum, sind also live dabei, wenn es um die Entscheidung bezüglich seiner Bühnenzukunft geht. Spannend! Der Anruf kommt dann gegen Ende des Programms – aber was der Manager zu sagen hat, sollte man sich live ansehen und anhören.

Seine Lebensbetrachtungen serviert Gerhard Gradinger dem Publikum aus unterschiedlichen Perspektiven mit Hilfe von einigen Figuren. Diese Figuren sind so lebensecht, auch hier zeigt sich Gradingers Talent zur Typenzeichnung. In der Art zu reden und in der Wortwahl trifft er den Stammtischsitzer vulgo Alleswisser, den Kommerzialrat, den Animateur Ludwig und zuletzt auch den Psychologen genau.

Mit der Figur des Psychologen gibt er weise Worte wieder, wenn der Satz mit: „Mein Psychologe sagt …“ beginnt. Unter anderem sagt der Psychologe: „Jede guade oide Zeit war einmal a schiache neue.“ Außerdem erklärt der Psychologe, nicht alles sei eine echte Gefahr und man solle filtern, was eine echte Gefahr darstellt. Was in einem Streit mit dem „Schatzi“ kein Vorteil ist, denn während sie sagt, sie geht, im Sinne von sie verlässt ihn, und eine Antwort erwartet, bleibt er stumm, weil er noch überlegt, ob es sich um eine echte Gefahr handelt. Nicht gut für die Beziehung.

Genial gespielt ist das Telefonat zwischen ihm und seinem Chef. Was er aus der harmlosen Floskel „Schöne Grüße an die Frau“ macht, wie sich das Gespräch weiterentwickelt, wie er sich immer mehr verstrickt in Ausreden und versucht, Fettnäpfchen wieder gutzureden, das ist wirklich große Klasse. Hut ab!

Auch die Figur des geizigen Kommerzialrats ist sehr gelungen. Gerhard Gradinger setzt sich eine Brille auf, verändert ein wenig die Stimme und die Art des Sprechens, und der pensionierte Kommerzialrat sitzt wahrhaftig auf der Bühne. Der ist einer, der auch in der Pension noch immer jedes Jahr auf Besuch in die Firma fährt, um sich am Buffet das mitgebrachte Tupperware anzufüllen. Zu Weihnachten wird er von seiner Svetlana verlassen und ist einsam. In seiner Einsamkeit schlägt er seinem Sohn vor, er  solle Enkelkinder machen, die kosten nichts.

Und die Figur des Ludwig darf nicht fehlen. Dieses Mal ist er Animateur im Thermalbad Oberlaa – auch hier ist seine Erklärung, wie Oberlaa zum Namen Oberlaa kommt, sehr fantasievoll. Dieser Ludwig spricht mit der Kundschaft im Wasser so etwas wie Denglisch (Deutsch und Englisch). Da sich der Körperumfang von Gerhard Gradinger im letzten Jahr sehr reduziert hat, stellt er sich als Ludwig sogar nur mit Badehose bekleidet auf die Bühne.

Manchmal sind die Schmähs aus den „tiefsten“ Gewässern gefischt, aber die vergisst man gleich wieder, weil sofort gute Pointen folgen, und man von den Ausführungen und Betrachtungen von  Gerhard Gradinger hingerissen ist.

Zum Abschluss kommt der Psychologe, der bis dahin immer für Lebenstipps verantwortlich war, persönlich auf die Bühne und bringt ein treffendes Beispiel, wie heutzutage mit den neuen Medien umgegangen wird – Stichwort Facebook. Er verabschiedet sich mit den Worten: „Beobachte und komme wieder.“  In diesem Sinne: Ein absolut sehenswertes Programm mit weisen Gedanken und viel Schmäh, realsatirische Alltagsbeobachtungen at its best!

DieKleinkunst-Redakteurin Margot Fink

www.diekleinundkunst.com

 

Kritik zu "99 Pointen"

http://www.kulturfokus.at

Mit seinem vierten Programm „99 Pointen*“ feiert der 30-jährige Kabarettist Gerhard Gradinger am 28.02.2011 in der Gruam Premiere. „Mein Publikum schreibt das beste Kabarett“, steht in der Programmankündigung. Na da schau an, dachte sich KulturFokus-Redaktrice Margot Fink und begab sich in die Gruam.

Also ein Kompliment an das Publikum. Wir, das Publikum, schreiben das beste Kabarett. Das hört man ja gerne. Auch den Eröffnungssatz des Abends: „Nur sympathische Gesichter“. Da kann man das Kompliment ja gleich an den Kabarettisten zurückgeben. Auch sehr sympathisch! Dann geht’s schon los, in medias res sozusagen: das Publikum wird analysiert. Im Laufe des Abends werden noch einige Analysen zu unterschiedlichsten Themenbereichen folgen, aber dazu später.
Da es sein viertes Soloprogramm ist und er auch ein Jahr lang mit der Langen Nacht des Kabaretts auf Tour war, kann Gradinger, der seine Kindheit und Jugend in einem Ort mit dem schönen Namen Groß-Schweinbarth verbrachte, auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen und hat die vier wichtigsten Publikumstypen herausgefunden. Und zu jedem Typen hat er eine lustige Geschichte zu erzählen. Auch in der ausverkauften Gruam sind sie dabei: die Lachwurzn, der Außischreier, der Bösschauer und der Störenfried, wie sich in den 2 Stunden Programm herausstellt. Obwohl Störenfried kommt keiner vor, Bösschauer, glaub ich, auch nicht. Aber Lachwurzn und Außischreier schon, und auch der Kommentarflüsterer. Sogar den hat das geschulte Ohr des Gerhard Gradinger gehört und er hat sicherlich das eine oder andere Kommentar auch abgespeichert, um es auf irgendeine Weise ins Programm einzubauen.

Das ist es nämlich: die besten Themen schreibt das Leben. Gerhard Gradinger kann gut zuhören und wandelt aufmerksam durch den Alltag und seine Umgebung und baut Begegnungen, Beobachtungen, Erlebnisse und Erkenntnisse ins Programm ein, wie etwa dass man vor dem Fernseher nicht schlafen kann, weil es bei der Werbeeinschaltung der Ton automatisch lauter wird, oder er rätselt über die Sinnhaftigkeit von Energiesparlampen und Elektroautos.
Was der Satz, das Publikum würde das beste Kabarett schreiben, bedeutet, stellt sich bald heraus. Gerhard Gradinger schaut dem Volk sozusagen aufs Maul. Im aktuellen Programm treten – abgesehen von Gerhard Gradinger eigenen Erkenntnissen und Meinungen – zwei Figuren auf, der Ludwig und der Karl. Ersteren interessiert alles nicht, um dann doch seine Meinung kundzutun und zweiterer will einfach seine Puff-Gschichtln erzählen. Gradinger gelingt es mit wenigen Mitteln Ludwig und Karl glaubhaft darzustellen und zwischen den Figuren zu wechseln. Als Publikum wartet man irgendwann schon darauf, dass die beiden ihre Meinung zum Besten geben und g’scheite Kommentare abgeben.
Als Requisiten auf der Bühne reichen Gerhard Gradinger an seiner linken Seite nur ein Sessel und an seiner rechten Seite ein Tisch und ein Sessel. Auf oder hinter ersterem nehmen Ludwig und Karl Platz und Tisch und Sessel dienen Gradinger als Kommandozentrale. Dort liegen seine Mappe mit unzähligen Themen, auf die er im Laufe des Abends zugreifen kann, und einige Karten, in der Vorderansicht den Titel des Programms 99 Pointen* – das Sternchen bedeutet übrigens „Ein Politikerversprechen“ – wir wissen ja was und wie viel das bedeutet. Bei Bedarf zückt Gerhard Gradinger diese Karten, wenn er z.B. Rankings vorliest. Weiters gibt es noch das gut bekannte aber schon längst vergessene Monchichi aus einer vergangenen Zeit. Ein Stichwort, das von der vergangenen und zur heutigen Zeit überleitet, neue gegen alte Technologie, Internet, Facebook, Kommunikationsverhalten, CSI versus Colombo, auch darüber hat sich Gradinger Gedanken gemacht. Und auch über so ungeschriebene Gesetze wie: bei der Post zu arbeiten sei ein sicherer Arbeitsplatz. Aber auch über Konsumverhalten wird geredet und über Beziehungen und Erlebnisse am Arbeitsplatz.

Die Zeit vergeht sehr schnell, fast zu schnell. Gerhard Gradinger weiß zu allem was zu sagen, und kommt nach 2 Stunden zum Schlusssatz: „Nur sympathische Gesichter“ – diesmal sei der Satz aber ehrlich gemeint, sagt er. Hier schließt sich der Kreis also. Es wäre absolut falsch, ihn auf 99 Pointen zu reduzieren, es ist, wie man so schön sagt, das Gesamtpaket. Bei Gerhard Gradinger passt einfach alles, das Talent, die Präsentation, die Souveränität, mit der er auf der Bühne steht, das Gespür für Pointen und die sichtliche Freude, das Publikum zu unterhalten und seine Geschichten zu erzählen. Gerhard Gradinger verspricht 99 Pointen, das sind pro Minute eine Pointe und als Extra gibt’s dann noch 9 Pointen dazu. Ein Schnäppchen sozusagen, und was für eins. Aber hallo! Absolut sehenswert.

Margot Fink

 

Soloauftritt in Ternitz (Mehr & glücklich?)

http://www.kulturlandschaften.at

Letzten Freitag endete der Kabarettreigen im Ternitzer Kulturkeller mit einem in unseren Breiten noch unbekannten Kabarettisten. Der Kulturkeller erlebte in den letzten Jahren wahrlich schon viele Kleinkünstler, die mehr oder weniger gut beim Publikum ankamen. Da das Ternitzer Kabarett-Publikum sehr kritisch mit den Künstlern umgeht und nicht jeder ihre Gunst erhält, hatte es schon so mancher schwer, sich zu behaupten.

Nicht jedoch der junge Wiener Gerhard Gradinger, der sein Debüt im Kulturkeller mit seinem bereits dritten Programm "Mehr und glücklich?" gab. Schon nach den ersten Sätzen spielte er sich mit seinem unverblümten Witz und seiner Natürlichkeit in die Herzen des Publikums. Als Franz Meier, dessen Eltern aufgrund seines Namens nicht sehr kreativ gewesen waren, ließ er seine beruflichen wie auch privaten Erlebnisse Revue passieren, sodass bei den Kabarettfreunden kein Auge trocken blieb. Zwei Stunden geballter Wortwitz, wo nicht eine Sekunde Langeweile aufkam, begeisterte auch Kabarett-Kollegen Klaus Bandl, der den Auftritt als Gast mitverfolgte. Nach tosendem, nicht enden wollenden Applaus, hatte Gradinger noch ein besonderes Schmankerl als Zugabe auf Lager: Als Michael Knight mit seinem Auto K.I.T.T. überzeugte er restlos auch die schärfsten Kritiker des Kabaretts.
Bleibt zu hoffen, dass Gerhard Gradinger auch 2011 den Weg in den Kulturkeller Ternitz findet.
Text von Mag. Brigitte Puchegger

 

"Live dabeigewesen" beim Goldenen Kleinkunstnagel

http://www.kleinundkunst.at
....Nach der Pause hatte Gerhard Gradinger seinen Auftritt. Ein Jahr lang war er mit der "Langen Nacht des Kabaretts" unterwegs. Die Spielpraxis machte sich sehr positiv bemerkbar. Er erzählte aus seinem 3. Soloprogramm „mehr und glücklich", was denn so alles passiert, wenn man vorhat ein Haus zu bauen, es auch wirklich baut und auch noch einrichtet. Die Ehefrau äußert Sonderwünsche, es stellt sich heraus, ein Kamin ist zwar schön anzusehen, aber schön warm hat man es nicht. Dafür hat man aber einen kalten Marmorboden (wegen des Funkenflugs) und einen sehr teuren Bezug auf der Couch, der durch eine alte Decke geschützt wird. Gerhard Gradinger in der Figur des Hausbauenden Klodeckelverkäufers ist souverän, die Lachmuskeln werden ziemlich beansprucht und seine Auszüge machen Lust auf das ganze Programm.......

 

Premierenkritik zur "Langen Nacht des Kabaretts"

http://www.kleinundkunst.at
Am 4. September 2008 fiel der Startschuss zur neuen „Langen Nacht des Kabaretts“ in der Besetzung Pepi Hopf, Gebrüder Moped, Clemens Maria Schreiner und Gerhard Gradinger. Die erste Kabarettpremiere des Herbstes für Klein&Kunst-Redaktrice Margot Fink. Besser hätte sie es nicht erwischen können.........
....Dieses Jahr stechen also die „Matrosen“ Gradinger, Schreiner und die Gebrüder Moped samt ihrem „Kapitän“ Pepi Hopf in See.......
......der Auftritt von Gerhard Gradinger.
Er lieferte Impressionen vom Landleben, dazu gehörend das erste Auto, die Lässigkeit der Dorfjugend, die erste Beziehung. Er wirkte wie ein alter Hase auf der Bühne und entwickelte ein gutes Gespür für Alltagsbeobachtungen und Geschichten, (erinnerte dabei ein wenig an Roland Düringer), und ließ das Publikum an seinem Vorbild teilhaben: KITT, das Wunderauto aus der 1980er Jahre-Kultserie Knight Rider mit dem unerträglichen Baywatch-Hünen David Hasselhoff in der Hauptrolle. Sehr unterhaltsam ist nicht das richtige Wort, doch das erste, das mir dazu einfällt..........

 

zu "Komm wir machen eine Reise"

KABARETT / Junges Talent auf der Kleinbühne in Echsenbach begeisterte Publikum
NÖN Ausgabe Woche 17/2007

Kabarettprogramm „Komm wir machen eine Reise!“ war die Reise zur Kleinbühne im Gasthaus Cafe Frangl in Echsenbach am 20. April wert.

In einer sehr couragierten Art stellte sich der 25-jährige Newcomer der Kabarettszene hin und erzählte von seinem Leben: Kindheit in der Marktgemeinde Groß Schweinbarth im Marchfeld, dortiger Discokönig, Bundesheer, die große Beziehung, das neue Haus und die alten Freunde…. Tehmen, in denen sich jeder Zuschauer finden konnte und nicht nur über Gradinger, sondern übers Leben, wie es so ist, herzlich lachen konnte.

" Der kann´s, der ist gut“, war die einhellige Meinung der Besucher.

 

zu "Bertlll und die starken Männer"

www.kabarett.at (Peter Blau)


….An die Stätte seines bislang größten künstlerischen Erfolgs ist der erst 24-jährige Niederösterreicher Gerhard Gradinger zurückgekehrt: in die Währinger Kulturwerkstatt “Theaterlabor” (nicht zu verwechseln mit dem ebenfalls in Währing angesiedelten “Lalish Theaterlabor”), wo er vergangenen November den erstmals veranstalteten “Comedy Knock-out” für sich entscheiden konnte. Letzten Freitag hob er dort sein erstes Solo-Programm aus der Taufe: “Bertlll und die starken Männer” (Regie: Helmut Hafner). Und um es vorweg zu nehmen: Für ein Kabarett-Debut eine erstaunlich runde Leistung.
Ohne spürbare Unsicherheiten präsentiert der äußerlich ein wenig an den jungen Gerald Pichowetz erinnernde Neuling ein Sittenbild seiner Heimatgemeinde Groß Schweinbarth. Wo die „starken Männer” nie „Entschuldigung” sagen, weil sie ja auch keine Fehler machen. Richtige Männer, die ihre Frauen nur an Feiertagen hinters Steuer lassen. Und das auch nur, weil sie keine Angst kennen – höchstens Respekt vor einer Situation.
Groß Schweinbarth ist ein kleines Dorf mit Wirtshaus, Kirche, Gemeindeamt und Greisler, in dem die Welt also noch in Ordnung ist – und der zwischenmenschliche, kleinbürgerliche Wettbewerb alle Lebensbereiche durchdringt. Frauen werden hier nur im Rudel schwanger, um ja nicht „out” zu sein. Und sie haben keine Vorbehalte gegen von Kindern in der dritten Welt hergestellte Billig-Textilien: „Die Kleinen nähen sicher genau so gut, wie Erwachsene.”
Groß-Schweinbarth ist ganz offensichtlich ein von äußeren Einflüssen weitgehend unbehelligtes Biotop für geschlechts-typische Verhaltensweisen. Wer sich dagegen auflehnt, hat es schwer. Kein Wunder, dass Gerhard Gradinger seit über 10 Jahren bereits den Berufswunsch „Kabarettist” hegt. Der Humor ist die freundlichste Waffe im Kampf gegen überholte Moral und verstaubte Konventionen. Nie wird Gradinger bei seinen spöttisch-realsatirischen Alltagsbeobachtungen untergriffig. Er ist ein engagierter Erzähler, dem man gerne zuhört, wenn er während seiner stellenweise fast schon liebevollen Schilderungen vom ländlichen Leben zu kleinen Seitenhieben auf ignorante Machos und andere defizitäre Charaktere ausholt. Spektakuläre Geschichten darf man sich nicht erwarten. Wir sind schließlich in Groß Schweinbarth. Was soll in einem Örtchen, in dem das größte Wagnis der ungenierte Kauf von Kondomen ist, schon Sensationelles passieren?
Einem Kabarettisten nach seinem allerersten (!) abendfüllenden Auftritt vorzuhalten, es mangele ihm noch ein wenig an Originalität, Vielfalt, Formulierungsschärfe oder dramaturgischer Finesse, wäre ungefähr so, als würde man von einem Volksschüler eine Kurvendiskussion erwarten. Nein, Gerhard Gradinger hat sein Debut mit Bravour gemeistert..

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